Gesangverein Bruderbund
1906    U n t e r g r o m b a c h    e.V.

Gründungsmitglieder des
Arbeitergesangvereins Bruderbund
oben (v.l.n.r.):   Karl Doll, Karl Mangei,
Wendelin Stelzer, Karl Warth, Karl Wolf
unten (v.l.n.r.):  Emil Mangei, Johann-Hill,
Anton Klotz

In den Jahren 1905/06 traten einige freigewerkschaftlich organisierte Männer zusammen, um einen Arbeitergesangverein zu gründen. Dies war keine leichte Aufgabe, da es seinerzeit in Untergrombach bereits zwei - seit längerer Zeit bestehende - "bürgerliche" Gesangvereine gab, die ein beachtliches Niveau erreicht hatten. Nach mehreren Vorbesprechungen schritt man zur Gründung des Arbeiter-Gesangverein "Bruderbund". Zum ersten Vorsitzenden wählte man Johann Hill, der erste Dirigent wurde Fritz Ostermaier aus Weingarten. Durch Fleiß und rege Mitarbeit der jungen Sänger stellte sich bald für den Verein gute Erfolge ein. Später löste Karl Ehrbrecht aus Bruchsal den Dirigenten ab und Martin Schmitt wurde neuer Vorstand. Unterbrochen wurde der Aufwärtstrend des jungen Vereins durch den Ersten Weltkrieg, aus dem sieben Sänger nicht mehr heimkehrten.
Nach dem Kriegsende nahm der Arbeiter-Gesangverein "Bruderbund" wieder seine Tätigkeit auf. Josef Warth als Vorstand, sowie die Dirigenten Prager aus Bruchsal, Christian Fassel aus Karlsruhe, Eugen Kneis und Artur Godlewsky aus Untergrombach schufen die Voraussetzungen für die Erfolge des Vereins in den Zwanziger Jahren. Artur Godlewsky war Judenlehrer der jüdischen Gemeinde Untergrombach. Er war verantwortlich für die hervorragende Inszenierung der Operette "Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen", die er mit dem Chor aufführte. Durch die Vermittlung von Ernst Meerapfel besuchten die Sänger 1930 den Arbeitergesangverein Straßburg-Neudorf.

Ehrendamen des Bruderbunds
beim 25 jährigen Jubiläum

(v.l.n.r.):
Luise Wachter, Friederike Klotz,
Cäcilie Hannich, Judith Modery,
Lina Zipperle, Hilda Hartlieb,
Anna Zöller Lina Zöller,
Gertrud Zöller, Fritz Stelzer

Das 25 jährige Bestehen feierte man, verbunden mit einer Fahnenweihe, in den Pfingsttagen vom 20. bis 22. Juni 1931. Unter der Führung des Vorstandes Karl Belschner und dem Dirigenten, Chormeister Schilling aus Karlsruhe, zeigte der Verein Leistungen, welche allgemeine Anerkennung fanden.
Auch eine Abordnung des Arbeitergesangvereins Straßburg-Neudorf nahm an diesem Fest teil. Bei der Fahnenweihe erhielt der Vertreter des Straßburger Gesangvereins großen Beifall für seine Ansprache. Er hob die Freundschaft mit den Untergrombachern hervor, erinnerte an die gemeinsamen schönen Stunden in Straßburg und überreichte zu Andenken, eine Radierung des Straßburger Münsters mit Widmung: Diese grenzüberschreitende Begegnung war was heute eine Selbstverständlichkeit ist - damals eine Ausnahme. Dieses Jubiläumsfest im Jahre 1931 war der Höhepunkt des Vereinslebens zwischen den beiden Weltkriegen.
Infolge beruflicher Veränderung trat Karl Belschner als Vorstand zurück und Albert Mangei übernahm die Vereinsleitung. Die Vereinstätigkeit wurde 1933 durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten abrupt beendet: Der Verein wurde als "Staatsgefährdend" aufgelöst. Das gesamte Vereinsvermögen, einschließlich Fahne und Liedliteratur wurde beschlagnahmt und verschwand spurlos. Es folgten die Jahre der NS - Gewaltherrschaft und des Zweiten Weltkrieges, die am 08. Mai 1945 durch die bedingungslose Kapitulation Deutschlands ein Ende fanden. Zwölf Sänger wurden Opfer des Krieges.

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